ARTIST STATEMENT
In meiner künstlerischen Praxis erkunde ich das Spannungsfeld zwischen dem Sichtbaren und dem Ungesagten. Fragmente von Erinnerungen, Gefühlen und Begegnungen verdichten sich zu vielschichtigen Gebilden. Dabei bewege ich mich stets zwischen etwas Greifbarem und einem Gefühl von Diffusität. So entstehen Arbeiten, die nicht nur betrachtet, sondern erspürt werden wollen und in denen das Uneindeutige zum zentralen Thema wird.
Neben der menschlichen Anatomie begleitet mich der Gedanke, Identität als Konglomerat zu verstehen. Dieses Konglomerat setzt sich aus Momenten des Berührt Werdens zusammen. Der Moment des Berührt Werdens ist eine Gleichzeitigkeit von äußerer Wahrnehmung und innerer Empfindung.
Die Haut ist eine Membran, welche schützt und zugleich eine Durchlässigkeit ermöglicht.
Es gibt Berührungen unterschiedlichster Art: Es gibt Berührungen stofflicher und nicht-stofflicher Art, sowie emotionaler und intellektueller Art. Manche Berührungen sind nur flüchtig und von kurzer Dauer. Sie legen sich auf die Haut und hinterlassen Spuren auf dem eigenen Ich. Einige Berührungen verfärben die Oberfläche. Andere Berührungen sind zu intensiv und graben sich ein in die Haut, manche sogar bis ins menschliche Fleisch. Sie formen und verformen die eigene Identität.Gemeinsam haben all diese Berührungen, dass sie eine Spur hinterlassen. Dabei formen und verformen sie das eigene Ich.
Hierbei denke ich Berührung nicht ausschließlich in zwischenmenschlichen Begegnungen. Auch Landschaften, Gerüche oder Atmosphären können berühren.
Aus vergangenen Berührungsmomenten bleiben oft nur Fragmente greifbar, selten die Gesamtheit eines Moments und diese Fragmente werden Teil eines Konglomerats.
Meine Malereien und Zeichnungen sind der Versuch, diese instabilen Konglomerate in ihrem ständigen Wandlungsprozess einzufangen. Sie sichtbar zu machen und ihnen eine Form zu geben. In ihnen verhandle ich Grenzen anatomischer Art, sowie Erinnerungsgrenzen. Dabei folge ich keiner linearen Zeitachse. Ich hinterfrage Eindeutigkeiten und öffne Räume hin zum Uneindeutigen und Unbewussten. Meine Objekte verstehe ich als haptische Erweiterung und Ergänzung dieser Konglomerate.